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Dokument 220  >

Vermerk des Generaltreuhänders für die Sicherstellung der Kulturgüter über Aufgaben in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains[1]

1
BA Koblenz, Das Ahnenerbe, NS 21/vorl. 164, (4 S.).
2
Johannes W. Dettenberg. Siehe Dok. Nr. 297, Anm. 3.
3
Dr. Karl Starzacher, Stabsführer der Dienststelle des Beauftragten des RKFDV und der Beauftragte für Archivwesen, Büchereien und Museen beim Chef der Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains.
4
Dr. Franz Koschier, Leiter der Lehrerbildungsanstalt in Kranj.
5
Dr. Matthäus Gatterer, Leiter der Hauptschule in Kranj.
7
Dr. Wolfram Sievers, Geschäftsführer der Forschungs- und Lehrgemeinschaft »Das Ahnenerbe« in Berlin.
8
Dr. Walter Frodl, Direktor des Gaumuseums in Klagenfurt.
9
Dr. Josip Žontar, Leiter der Zweigstelle Krainburg des Reichsgauarchivs für Kärnten.
10
Franc Kržisnik.
11
Über die weitere Behandlung der Frage der Kulturgüter in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains siehe Dok. Nr. 224 u. 293.

V e r m e r k

Betr.: Sicherstellung der Kulturgüter in Oberkrain
Besprechungen in Anwesenheit von SS-U`Stuf. Dettenberg[2] mit Stabsleiter SS-O`Stuf. Dr. Starzacher[3] in Veldes und Dr. Koschir[4] und Dr. Gatterer[5] in Krainburg am Freitag den 15. Mai 1942.
Die Besprechung erfolgte auf Wunsch von SS-Obersturmbannführer Sievers[6]

Dr. Starzacher berichtete zunächst darüber, dass, wie er bereits an SS-Obersturmbannführer Sievers mitgeteilt habe, ihm die Sicherstellung der Kulturgüter in Oberkrain nicht mehr so gesichert erscheine wie bisher. Nach dem vorläufigen Abschluss verschiedener Sicherstellungsmassnahmen, die von ihm, Dr. Koschir, Dr. Gatterer und Dr. Zontar im Auftrage des CDZ. gleich nach der Besetzung des Gebietes durchgeführt worden seien, sei von ihm Dr. Zontar in Krainburg mit der Sammlung der Gegenstände archivalischen und musealen Charakters und der Verzeichnung der sichergestellten Archive und Gegenstände beauftragt worden. Es handelte sich dabei um eine Massnahme in Zusammenarbeit mit dem Gaukonservator Dr. Frodl.[7] Aus Gründen, die nicht näher dargelegt wurden, sei es aber zu einem Zerwürfnis zwischen Dr. Frodl und Dr. Zontar[8] gekommen. Dr. Zontar habe daraufhin diese Arbeit niedergelegt und Dr. Frodl habe jetzt einen ehemaligen Schulrat Krschischnik[9] in Laak mit der Weiterführung der Arbeiten beauftragt. Gleichzeitig hat Zontar Dr. Starzacher in seiner Eigenschaft als Stabsleiter des Reichskommissars darüber verständigt, dass er leider habe feststellen müssen, dass ein Teil der sichergestellten Gegenstände und Archive durch das gänzliche Unverständnis deutscher Behörden (wie uns in Krainburg bestätigt wurde, hat sich hier besonders die NSV. als unverständig gezeigt!) verloren gegangen ist und wohl als vernichtet gelten darf. Die Mitteilungen von Zontar beruhen nur auf zufälligen Entdeckungen. Wie es tatsächlich mit dem sichergestellten Kulturgut aussieht und ob der Umfang der Verluste noch grösser ist, kann nicht gesagt werden.

In Oberkrain sind folgende Sicherungsmassnahmen durchgeführt worden:

  1. Es wurden sämtliche Matriken mit Ausnahme der »Status animarum« die man den Gemeinden überlassen hat (!!), eingezogen und in Krainhurg einem Zentralmatrikenamt eingeliefert. Das Zentralmatrikenamt, das unter der Oberleitung von Dr. Gatterer arbeitet, hat sofort für sachgemässe Aufstellung dieser Matriken gesorgt. In vorbildlicher Weise ist dafür gesorgt worden, dass die Pfarrmatriken sofort für die Ausstellung von Abkunftsurkunden zur Verfügung stehen. Leiter des Amtes ist ein loyaler Slowene. Das Zentralmatrikenamt, das bereits sehr gut arbeitete, ist leider nunmehr wieder auseinander gerissen worden. Ein Vertreter des Reichssippenamtes hat mit den Landräten die sofortige Errichtung von Kreissippenämtern vereinbart und hierfür auch die Zustimmung des Gauleiters erwirkt. Infolgedessen sind die Matriken ab 1750 der Pfarrämter der Kreise Radmannsdorf und Stein in die Landratsämter der beiden Kreise überführt worden. Nachdem diese Massnahme zunächst dazu geführt hatte, dass die Matriken einige Zeit nicht benutzt werden konnten, sollen die Kreissippenämter nunmehr ihre Arbeit, wenn auch in unzulänglichem Umfang, aufgenommen haben. Das Zentralmatrikenamt ist nunmehr nur noch Aufbewahrungsstelle für die Matriken vor 1750 und Kreissippenamt für Krainburg.
  2. Es wurden alle Pfarrarchive sichergestellt. Die Pfarrer haben das Land verlassen. Die Archive wurden versiegelt und in besonderen Kästen in den Pfarrhäusern belassen, weil kein Archivraum in Krainburg für die Aufbewahrung dieser Materialien zur Verfügung stand und steht. Die Pfarrhäuser sind grösstenteils von der MSV. übernommen, die aber trotz mehrfach ausgesprochener Bitten in verschiedenen Fällen die Kästen mit den Archivalien aus den Aufbewahrungsräumen entfernt hat; ein Teil der Archive dürfte auf diese Weise verloren gegangen sein.
  3. Auch die übrigen Archive wurden sichergestellt; so die Archive von Assling, Neumarktl und Stein. Die wichtigsten Materialien wurden nach Klagenfurt überführt.
  4. Es wurden sämtliche Büchereien im Gebiet von Oberkrain beschlagnahmt. Ein Teil von ihnen ist bereits in eine Art Buchsammelstelle nach Krainburg überführt worden. Dr. Koschir, der frühere Leiter der Abteilung »Kultur und Schule« des CDZ., jetzt Leiter der Lehrerbildungsanstalt in Krainburg, beaufsichtigt diese Aktion. Die Buchsammelstelle ist in den Räumen der ehemaligen Textilschule in Krainburg untergebracht. Bisher wurden in Krainburg 150 Büchereien zusammengezogen. Unter der Leitung von Dr. Koschir wird mit Hilfe von pensionierten slowenischen Lehrern und auf Grund von Mitteln, die der CDZ. noch zur Verfügung gestellt hat, der gesamte Bücherbestand gesichtet, geordnet und aufgearbeitet. Das slowenische Buchmaterial wird herausgenommen. Es werden bis zu 5 Exemplaren jedes Buches in die künftigen Büchereibestände eingeordnet. Die übrigen Exemplare werden zum Einstampfen abgelegt. Leider wird diese Arbeit wahrscheinlich abgebrochen werden müssen, da der Kreisleiter bezw. der Landrat die Wiedereröffnung der Textilschule wünscht und deshalb die recht baldige Räumung der Schule gefordert hat. Andere Unterbringungsmöglichkeiten für die Bücher stehen noch nicht zur Verfügung.
  5. Über die Sicherung der Gegenstände der bildenden Kunst konnten nähere Angaben nicht beschafft werden, da Dr. Zontar, der diese Arbeit bisher geleistet hat, gegenwärtig in Graz arbeitet. Die Arbeiten standen unter der Oberleitung von Dr. Frodl, der sicher in der Lage sein dürfte, genaueres mitzuteilen. Jedenfalls konnte festgestellt werden, dass ein Teil der Gegenstände der bildenden Kunst, die für ein künftiges Krainburger Museum in Frage kommen, in Kisten verpackt in einem unter der Aufsicht von Dr. Zontar stehenden Raum in Krainburg zusammengetragen worden sind. Ferner ist bekannt, dass diejenigen Gegenstände, die später unter Denkmalschutz gestellt werden sollen, inzwischen von Mitarbeitern Dr. Frodls fotografiert worden sind. Insbesondere konnte nicht festgestellt werden, ob eine systematische Verzettelung und Verzeichnung aller dieser Gegenstände durchgeführt ist. Eine systematische Aufnahme des Kircheninventars ist noch nicht erfolgt. Fraglich ist auch, ob alle derartig sichergestellten Gegenstände zweckentsprechend untergebracht sind. Der Schulrat Krschischnik ist nicht in der Lage, die denkmalpflegerische Verantwortung für das ganze Gebiet zu übernehmen.

Zusammenfassend darf hinsichtlich der Massnahmen zur Sicherstellung folgendes festgestellt werden:

Eine systematische Sicherstellung ist nicht erfolgt. Es sind einzelne Massnahmen durchgeführt worden, soweit einzelne Mitglieder CDZ. für diese Fragen aus beruflichen Gründen besonderes Interesse hatten. Eine einheitliche Leitung fehlte. Ausdehnung der Arbeit auf alle Gebiete der Sicherstellungsmassnahmen ist nicht erfolgt, insbesondere ist das slowenische Kulturgut noch nicht aufgenommen worden. Eine Verzeichnung der Gegenstände liegt nicht vor. Die einzelnen Aktionen sind noch nicht zum Abschluss gebracht. Eine Zusammentragung der Gegenstände und ordnungsgemässe Unterbringung muss noch erfolgen.

Diese Sachlage führte zu der Erwägung, ob es nicht doch zweckmässig ist, ähnliche Massnahmen von Seiten des Generaltreuhänders für die Sicherstellung der Kulturgüter durchzuführen wie in der Untersteiermark, über die SS-U`Stuf. Dettenberg berichtete. Diese Massnahmen müssten sich in erster Linie auf die Objekte erstrecken, die bisher überhaupt noch nicht bearbeitet worden sind, so z. B. auf das Kloster Birkenbach u. a. Kulturstätten, auf das Kircheninventar usw. Sie müssten weiterhin die bereits in Angriff genommenen Aktionen betreffen, deren systematische Beendigung sicherstellen, die denkmalpflegerische Betreuung der Gegenstände regeln usw. Stabsleiter Dr. Starzacher würde es daher begrüssen, wenn der Generaltreuhänder in Erwägung ziehen würde, einen seiner Mitarbeiter zur Durchführung dieser Aufgaben für kurze Zeit nach Oberkrain zu entsenden. Der Mitarbeiter würde im Rahmen des Stabes des Reichskommissars arbeiten und auch von dorther mit den nötigen Vollmachten ausgestattet werden. Eine besondere Erörtung der Angelegenheit mit dem Gauleiter hielt Dr. Starzacher nicht für unbedingt erforderlieh.[10]

Laibach, am 18. Mai 1942.

1
BA Koblenz, Das Ahnenerbe, NS 21/vorl. 164, (4 S.).
2
Johannes W. Dettenberg. Siehe Dok. Nr. 297, Anm. 3.
3
Dr. Karl Starzacher, Stabsführer der Dienststelle des Beauftragten des RKFDV und der Beauftragte für Archivwesen, Büchereien und Museen beim Chef der Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains.
4
Dr. Franz Koschier, Leiter der Lehrerbildungsanstalt in Kranj.
5
Dr. Matthäus Gatterer, Leiter der Hauptschule in Kranj.
7
Dr. Wolfram Sievers, Geschäftsführer der Forschungs- und Lehrgemeinschaft »Das Ahnenerbe« in Berlin.
8
Dr. Walter Frodl, Direktor des Gaumuseums in Klagenfurt.
9
Dr. Josip Žontar, Leiter der Zweigstelle Krainburg des Reichsgauarchivs für Kärnten.
10
Franc Kržisnik.
11
Über die weitere Behandlung der Frage der Kulturgüter in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains siehe Dok. Nr. 224 u. 293.

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